Nizza-Klassifikation erklärt

Alle 45 Markenklassen im Überblick — verstehe, wie Nizza-Klassen deinen Markenschutz beeinflussen.

Dr. Ron van de Sand
Dr. Ron van de Sand

Gründer & Entwickler von markencheck.ai

Veröffentlicht 21. März 2026 · Aktualisiert 9. August 2026

Welche Nizza-Klassen brauchst du?

Beschreibe kurz, was du anbietest — z.B. „SaaS-Buchhaltungssoftware“ oder „Naturkosmetik“.

Was ist die Nizza-Klassifikation?

Die Nizza-Klassifikation ist ein internationales System, das Waren und Dienstleistungen in nummerierte Klassen für Markenanmeldungen einteilt. Es wurde durch ein Abkommen in Nizza (1957) begründet und wird von WIPO/EUIPO verwaltet. Heute umfasst es 45 Klassen: 34 für Waren (Klassen 1–34) und 11 für Dienstleistungen (Klassen 35–45). Jede Klasse fasst ähnliche Produkte oder Dienstleistungen unter einer allgemeinen Überschrift zusammen (zum Beispiel Klasse 25: Bekleidung oder Klasse 42: Software-Dienstleistungen). Ein Markeninhaber muss bei der Anmeldung angeben, für welche konkreten Waren/Dienstleistungen (innerhalb dieser Klassen) seine Marke gelten soll.

Klassen 1–34 (Waren) und 35–45 (Dienstleistungen)

Warenklassen (1–34): Hier geht es um Produkte, z.B. Chemikalien (Klasse 1), Maschinen (Kl. 7), Computer (Kl. 9) oder Bekleidung (Kl. 25). Jede Klasse hat eine Überschrift und eine alphabetische Liste von Waren. Es ist wichtig, möglichst präzise Begriffe zu wählen – nicht nur das Oberwort der Klasse, sondern konkrete Waren. (Beispiel: Statt nur „Computer-Software" könnte man „Downloadbare Computer-Programme für Datenanalyse" verwenden.) Dienstleistungsklassen (35–45): Hierunter fallen Service-Leistungen wie Werbung (Kl. 35), Telekommunikation (Kl. 38) oder IT-Dienstleistungen (Kl. 42). Software as a Service (SaaS) ist etwa ausdrücklich in Klasse 42 aufgeführt (Details für Software-Firmen: Nizza-Klassen für SaaS). In Klasse 35 dagegen stehen Handels- und Werbedienstleistungen (z.B. Online-Handel, Marketing).

Richtige Klassenwahl

Eine Marke kann nur für die bei Anmeldung genannten Klassen Schutz haben. Deshalb solltest du dein Geschäftsmodell genau analysieren: Welche Produkte oder Services bietest du heute an – und welche kommen in Zukunft? Bilde eine Liste und ordne jeden Punkt den passenden Klassen zu (dies nennt man auch „Mapping"). Dabei helfen Begriffe aus offiziellen Datenbanken (z.B. TMclass). • Kernbereich: Essenzielle Klassen, ohne die dein Kerngeschäft nicht auskommt. • Ergänzungsbereich: Zusatzangebote oder Zubehör – oft in benachbarten Klassen. • Zukunftsbereich: Produkte/Dienste, die geplant sind – aber realistisch absehbar. Wichtig: „Nur was angemeldet wird, kann auch durchgesetzt werden." Verlass dich nicht auf die Klassenüberschrift. Jede Klasse erfordert genaue Spezifikationen. Klassenüberschriften sind nicht automatisch volle Deckung. Nutze Standardbegriffe, wo möglich, und ergänze nur bei Bedarf.

Übersicht aller 45 Klassen

Die folgende Tabelle listet alle 45 Nizza-Klassen mit Oberbegriff und typischen Beispielen — Waren in den Klassen 1–34, Dienstleistungen in 35–45. Nutze die Sprungnavigation oder den Klassen-Finder oben, um direkt zur passenden Klasse zu springen. Eine eigene Detailseite mit Statistik, Beispielen und typischen Fehlern je Klasse findest du in unserer Übersicht aller Nizza-Klassen.

Tipps & Häufige Fehler

• Nur Überschriften vermeiden: Melde nicht bloß die Klassenüberschrift an – beschreibe deine Waren/Dienstleistungen präzise (z.B. „Sportbekleidung, insbesondere Laufshirts und Jacken" statt nur „Bekleidung"). • Aktuelle Liste benutzen: Die Nizza-Klassifikation wird regelmäßig aktualisiert. Veraltete Begriffe können zu Beanstandungen führen. Nutze stets die neueste Version. • Klassen-Grenzfälle beachten: Software: Unterscheide, ob dein Angebot als „Download-Produkt" (Kl. 9) oder als Online-Service (Kl. 42 SaaS) gilt. Anderes Beispiel: Ein Modelabel, das auch einen Online-Shop betreibt, könnte sowohl Kl. 25 (Bekleidung) als auch Kl. 35 (Einzel-/Großhandel, Online-Verkauf) bzw. Kl. 42 (Mode-Design) abdecken. Fehlt eine relevante Klasse, kann das Schutzrechte einschränken. • Breit und doch konkret: Plane „so eng wie nötig, so breit wie sinnvoll". Führe das Geschäftsmodell realistisch auf – zu umfassende Anmeldung kann unnötige Kosten verursachen und später Löschungen riskieren. • Beispiel für Problem: Wenn du dein Markenzeichen in Kl. 42 (Software-Dienstleistungen) schützen lässt, gibt es möglicherweise schon einen gleichen Markennamen als Warenmarke in Kl. 9 (Softwareprodukt). Prüfe deshalb stets auch andere relevante Klassen. Die Nizza-Klassifikation bringt Struktur in deine Markenanmeldung, verlangt aber genaue Spezifikation. Eine gründliche Vorabrecherche hilft, die passenden Klassen zu finden und Abstimmungsfehler zu vermeiden. Du weißt jetzt, welche Klassen relevant sind — starte jetzt den Markencheck für deinen Wunschnamen.

Alle 45 Nizza-Klassen im Überblick

KlasseArtOberbegriffBeispiele
1WarenChemische Erzeugnisse Statistik →Industrie-, Foto- und Agrarchemikalien
2WarenFarben, Lacke Statistik →Farben, Lacke, Druckfarben, Rostschutzmittel
3WarenKosmetik, Reinigungsmittel Statistik →Kosmetik, Parfüm, Seifen, Reinigungsmittel
4WarenÖle, Brennstoffe Statistik →Industrieöle, Schmierstoffe, Brennstoffe, Kerzen
5WarenPharmazeutika Statistik →Arzneimittel, Nahrungsergänzung, Pflaster, Desinfektion
6WarenUnedle Metalle Statistik →Metallbaumaterialien, Beschläge, Schlösser aus Metall
7WarenMaschinen Statistik →Maschinen, Werkzeugmaschinen, Motoren (nicht für Fahrzeuge)
8WarenHandwerkzeuge Statistik →Handbetätigte Werkzeuge, Besteck, Rasierer
9WarenElektronik & Software (Download) Statistik →Herunterladbare Software/Apps, Computer, Hardware, Elektronik
10WarenMedizinische Geräte Statistik →Medizinische Instrumente, orthopädische Artikel
11WarenHaushaltsgeräte (Beleuchtung, Heizung) Statistik →Beleuchtung, Heizung, Kochen, Kühlung, Sanitär
12WarenFahrzeuge Statistik →Fahrzeuge, Fahrräder, Kfz zu Lande/Wasser/Luft
13WarenWaffen, Feuerwerk Statistik →Feuerwaffen, Munition, Feuerwerkskörper
14WarenSchmuck, Uhren Statistik →Edelmetalle, Schmuck, Uhren
15WarenMusikinstrumente Statistik →Musikinstrumente und Zubehör
16WarenPapier, Druckereierzeugnisse Statistik →Papier, Bücher, Druckerzeugnisse, Büroartikel
17WarenKautschuk, Kunststoffe (Halbfabrikate) Statistik →Kautschuk, Dichtungen, Isoliermaterial
18WarenLeder, Taschen Statistik →Leder, Taschen, Koffer, Regenschirme
19WarenBaumaterialien (nicht Metall) Statistik →Nichtmetallische Baumaterialien, Holz, Zement
20WarenMöbel Statistik →Möbel, Spiegel, Rahmen, Waren aus Holz/Kunststoff
21WarenHaushaltswaren Statistik →Geschirr, Kochgeschirr, Glaswaren, Reinigungsgeräte
22WarenSeile, Planen, Textilrohstoffe Statistik →Seile, Netze, Zelte, Planen, Rohtextilfasern
23WarenGarne, Fäden Statistik →Garne und Fäden für textile Zwecke
24WarenWebstoffe, Heimtextilien Statistik →Webstoffe, Bettwäsche, Decken, Vorhänge
25WarenBekleidung, Schuhe Statistik →Bekleidung, Schuhe, Kopfbedeckungen
26WarenKurzwaren, Posamenten Statistik →Spitzen, Bänder, Knöpfe, Reißverschlüsse
27WarenTeppiche, Bodenbeläge Statistik →Teppiche, Matten, Bodenbeläge, Tapeten
28WarenSpiele, Spielzeug, Sportartikel Statistik →Spiele, Spielzeug, Sport- und Turngeräte
29WarenFleisch, Milch, verarbeitete Lebensmittel Statistik →Fleisch, Fisch, Milchprodukte, konserviertes Obst
30WarenKaffee, Backwaren, Süßwaren Statistik →Kaffee, Tee, Brot, Gebäck, Schokolade, Gewürze
31WarenFrische Lebensmittel, Pflanzen Statistik →Frisches Obst/Gemüse, lebende Pflanzen, Tiernahrung
32WarenBiere, alkoholfreie Getränke Statistik →Bier, Mineralwasser, Säfte, Limonaden
33WarenAlkoholische Getränke Statistik →Wein, Spirituosen, Liköre (außer Bier)
34WarenTabak, Raucherartikel Statistik →Tabak, Zigaretten, E-Zigaretten, Raucherartikel
35DienstleistungenWerbung, Handel, Unternehmensführung Statistik →Werbung, Marketing, Online-Shop/Einzelhandel, Büroarbeiten
36DienstleistungenFinanz-, Versicherungs-, Immobilienwesen Statistik →Bankgeschäfte, Zahlungsdienste, Versicherung, Immobilien
37DienstleistungenBauwesen, Reparatur, Installation Statistik →Bauwesen, Reparatur, Installationsarbeiten
38DienstleistungenTelekommunikation Statistik →Telekommunikation, Bereitstellung von Foren/Chat, Streaming-Übertragung
39DienstleistungenTransport, Logistik, Reisen Statistik →Transport, Logistik, Lagerung, Reiseveranstaltung
40DienstleistungenMaterialbearbeitung Statistik →Verarbeitung/Bearbeitung von Materialien, 3D-Druck, Recycling
41DienstleistungenErziehung, Ausbildung, Unterhaltung Statistik →Aus-/Weiterbildung, Coaching, Events, Online-Kurse, Unterhaltung
42DienstleistungenSaaS, IT, Wissenschaft & Technik Statistik →SaaS, Softwareentwicklung, Hosting, IT-Dienste, KI/Forschung, Design
43DienstleistungenVerpflegung, Beherbergung Statistik →Restaurants, Catering, Café, Hotels, Beherbergung
44DienstleistungenMedizinische & Schönheitspflege, Landwirtschaft Statistik →Medizinische Dienste, Pflege, Schönheitssalon, Gartenbau
45DienstleistungenRechts- & Sicherheitsdienste, persönliche Dienste Statistik →Juristische Dienste, Sicherheitsdienste, persönliche/soziale Dienste

Quelle: WIPO Nizza-Klassifikation (11. Ausgabe). Beispiele gekürzt; maßgeblich ist die amtliche Klassifikation.

Häufige Fragen

Wie viele Nizza-Klassen gibt es?

Es gibt 45 Nizza-Klassen: 34 für Waren (Klassen 1–34) und 11 für Dienstleistungen (Klassen 35–45).

Gehört SaaS in Klasse 9 oder Klasse 42?

Software as a Service (SaaS) gehört in Klasse 42. Herunterladbare Software oder Apps fallen in Klasse 9. Viele Software-Anbieter melden in beiden an und ergänzen häufig Klasse 35 für Online-Handel oder Unternehmensdienste.

Wer verwaltet die Nizza-Klassifikation?

Die Nizza-Klassifikation wird von der WIPO (Weltorganisation für geistiges Eigentum) auf Basis des Nizzaer Abkommens verwaltet und von EUIPO, DPMA und den meisten Markenämtern weltweit genutzt.

Was steckt in Klasse 45?

Klasse 45 umfasst juristische Dienstleistungen, Sicherheitsdienste sowie persönliche und soziale Dienstleistungen für Einzelpersonen.

Kann eine Marke mehrere Klassen abdecken?

Ja. Eine einzelne Markenanmeldung kann mehrere Klassen umfassen. Die Gebühren steigen aber meist pro Klasse, und der Schutz gilt nur für die tatsächlich angemeldeten Klassen. Wie hoch die Gebühren je Klasse bei DPMA und EUIPO ausfallen, zeigt der Beitrag Markenanmeldung-Gebühren 2026.

Was markencheck.ai bei der Klassenwahl hilft

Klasse 9 und 42 gleichzeitig prüfen — ein Markencheck statt zwei separate Register-Suchen

Jeder Treffer zeigt direkt, in welchen Klassen die ähnliche Marke eingetragen ist — kein manuelles Nachschlagen

Phonetisch ähnliche Markennamen werden klassenübergreifend gefunden — nicht nur exakte Schreibweisen

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