KI im Namen: warum der AI-Naming-Boom zum Risiko wird
Tausende Startups haben AI oder GPT in den Markennamen gepackt. Unsere Auswertung von rund 3 Millionen EU-Marken zeigt, wie stark der Boom ist, und warum genau dieser Name jetzt doppelt riskant wird.
Gründer & Entwickler von markencheck.ai
16. August 2026 · 4 Min. Lesezeit

Als ChatGPT Ende 2022 erschien, kam mit dem KI-Boom ein zweiter, leiser Trend: die Namen. Auf einmal wollte jedes Produkt schon im Namen zeigen, dass KI drinsteckt. Ich habe rund 3 Millionen EU-Markennamen ausgewertet, und die Daten zeigen, wie groß diese Welle wirklich ist. Und sie zeigen, warum genau dieser Name gerade zum Problem wird.
Der Boom in einer Kurve
Zählt man die Markennamen mit AI oder GPT nach Jahr, sieht man den Bruch sofort. Bis 2022 tröpfelten sie herein, danach schießt die Kurve hoch.
Die jährlich neu registrierten KI-Namen stiegen von rund 130 im Schnitt der Jahre 2018 bis 2022 auf 540 im Jahr 2025. Also mehr als das Vierfache.
Zwei Jahre schlagen zehn
Noch deutlicher wird es, wenn man vor und nach ChatGPT vergleicht. Bis Ende 2022 waren über Jahrzehnte rund 785 KI-Namen ins Register gekommen. Ab 2023 kamen in nur gut drei Jahren 1.470 dazu.
| Zeitraum | KI-Namen registriert |
|---|---|
| bis Ende 2022 (Jahrzehnte) | 785 |
| ab 2023 (rund 3,5 Jahre) | 1.470 |
Zwei Drittel aller KI-Namen im Register sind also erst nach 2022 entstanden. Insgesamt sind es rund 2.500, davon tragen 145 sogar direkt GPT im Namen.
Alle drängen in dieselbe Ecke
Der Haken ist, wo diese Namen landen. Rund 83,5 Prozent der KI-Namen liegen in den Softwareklassen 9 und 42. Also in genau den Klassen, in denen ein beschreibender Name am schwersten zu halten ist.
Wie eng es dort wird, hat ausgerechnet OpenAI gezeigt. Im Juli 2026 hat das Gericht der Europäischen Union die Wortmarke OpenAI für bestimmte Software- und KI-Leistungen als beschreibend zurückgewiesen. Wer sein Produkt heute SomethingAI nennt, wählt einen Namen, der sofort verständlich ist. Aber diese Verständlichkeit ist das Problem, denn sie macht den Namen schwer zu besetzen.
Jetzt kippt auch die Stimmung
Bis hierhin ist der KI-Name vor allem ein rechtliches Thema. Dazu kommt seit Kurzem ein zweites. Die Kunden haben genug von sichtbarer KI. Eine Studie von Rival Technologies vom 13. August 2026 (901 befragte Gen Z in den USA und Kanada) zeichnet ein klares Bild.
| Reaktion auf erkennbares KI-Marketing (Gen Z) | Anteil |
|---|---|
| haben eine Marke deswegen schon abgestraft | 72 % |
| reagieren negativ | 74 % |
| reagieren positiv | 8 % |
| haben deshalb aufgehört, bei einer Marke zu kaufen | 43 % |
Das ist eine US-Konsumentenbefragung, keine Zahl aus unserem Register. Aber sie trifft dieselbe Bewegung von der anderen Seite. Was gestern nach Fortschritt klang, klingt bei vielen jungen Kunden heute nach Masse und nach seelenlosem Content.
Warum der AI-Name zum Bumerang wird
Damit sitzt der KI-Name in der Zange. Rechtlich ist er schwer zu schützen, weil er beschreibt statt zu unterscheiden. Und beim Kunden verliert er gerade an Wert, weil KI als Werbeversprechen abnutzt. Was vor drei Jahren die clevere Abkürzung war, wird so zum doppelten Nachteil.
Ob ein einzelner Name am Ende schutzfähig ist, ist eine markenrechtliche Bewertung, keine, die ich hier für deinen Fall treffe. Was du aber selbst sofort sehen kannst, ist, ob dein Wunschname im Register schon vergeben oder verwechselbar nah an einer bestehenden Marke ist.
Was das für Gründer heißt
Die naheliegende Abkürzung ist besetzt. Ein Name, der bewusst gegen den Strom geht, fällt leichter auf, lässt sich besser besetzen und altert langsamer. Und egal, wofür du dich entscheidest, prüfe früh, ob der Name überhaupt frei ist, bevor du in Logo, Domain und Marketing investierst.
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Methodik
Ausgewertet wurden rund 3 Millionen EU-Markeneinträge (Datenquelle EUIPO, Stand der eigenen Datenbank). Als KI-Name zählt ein Name, der AI als eigenständigen Bestandteil, als CamelCase-Endung im Stil von OpenAI oder GPT enthält. Das ist eine bewusst konservative Näherung über Buchstabenmuster, leichte Unschärfen sind möglich. Die Zeitreihe folgt dem Registrierungsdatum, das der Anmeldung um Monate nachläuft, weshalb wir den robusten Zwei-Jahre-gegen-zehn-Jahre-Vergleich in den Vordergrund stellen. Die Backlash-Zahlen stammen aus der genannten Rival-Studie und sind klar als externe Quelle ausgewiesen.
Fazit
Der KI-Name war die schnelle Antwort auf eine neue Technologie. Die Daten zeigen, wie viele darauf gekommen sind, und warum das inzwischen ein Nachteil ist. Wer heute benennt, gewinnt mit einem eigenständigen Namen mehr, rechtlich und beim Kunden.
Quellen
- Rival Technologies – The AI Backlash: Nearly Three in Four Gen Z Have Punished a Brand Over AI Marketing (2026)
- EUIPO – EU trade marks push IP filings to a record high in the first half of 2026 (2026)
- markencheck.ai – Markenreport 2026 (Auswertung des EU-Markenregisters) (2026)
Häufige Fragen
Wie viele EU-Markennamen enthalten AI oder GPT?
In unserer Auswertung des EU-Markenregisters tragen rund 2.500 Markennamen AI oder GPT, davon 145 direkt GPT. Zwei Drittel davon wurden erst nach dem Start von ChatGPT Ende 2022 registriert. Die Zahl ist eine Näherung über Wortbestandteile, keine exakte Zählung.
Warum ist ein KI-Name rechtlich riskant?
Ein Name, der nur beschreibt, was das Produkt ist, lässt sich schwer als Marke halten. Das EU-Gericht hat im Juli 2026 sogar die Wortmarke OpenAI für bestimmte Software- und KI-Leistungen als beschreibend zurückgewiesen. Rund 83,5 Prozent der KI-Namen liegen in genau diesen Softwareklassen. Ob ein Name schutzfähig ist, ist eine markenrechtliche Bewertung, die Registersuche zeigt nur, ob er schon vergeben ist.
Was ist der KI-Backlash?
Der Begriff meint die wachsende Ablehnung von Konsumenten gegen sichtbaren KI-Einsatz im Marketing. Eine Studie von Rival Technologies vom August 2026 fand, dass 72 Prozent der Gen Z schon eine Marke abgestraft haben, nachdem sie KI-Marketing bemerkt hatten. Ein Name, der KI betont, kann dadurch zum Nachteil werden.
Sollte ich mein Startup nach KI benennen?
Die Daten sprechen dagegen. Das Feld ist voll, der Name ist schwer zu schützen, und die Kundenstimmung dreht sich. Ein eigenständiger, erfundener Name fällt leichter auf, lässt sich besser besetzen und altert langsamer. Prüfe vorher im EU-Register, ob dein Wunschname schon vergeben oder verwechselbar nah dran ist.
Gründer & Entwickler von markencheck.ai
Gründer & Entwickler von markencheck.ai. Schwerpunkt: datenbasierte, KI-gestützte Markenrecherche und EUIPO-Registerdaten. Kein Jurist — markencheck.ai ist ein technisches Recherche-Tool und ersetzt keine Rechtsberatung.
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